31 Januar 2008

GÖTH Solutions - Firmenphilosophie

Schon als Kind begleitete ich meinen Vater in den Ferien tageweise auf diversen Außendiensttouren und fragte mich immer wieder, was er auf den diversen Firmengeländen, wie der damaligen CHEMIE LINZ oder GLANZSTOFF St. Pölten, wohl so erleben würde. Die tägliche Abwechslung, die Autofahrten auf der zweispurigen Westautobahn, begleitet von Frank Sinatra und Glenn Miller im Pioneer Cassetten-Autoradio, vermittelten mir schon damals ein Gefühl von Freiheit bei der Arbeit.

Einstieg in die Berufswelt
Als ich dann aber Ende der 80er Jahre während meiner HTL Ausbildung, als angehender Ingenieur für Nachrichtentechnik und Elektronik in der HTL-Mödling, gerade die Massentauglichkeit des Mikroprozessor-Zeitalters mit dem Umstieg von MS-DOS auf WINDOWS miterlebte, betrachtete ich die Tätigkeit meines Vaters im Bereich der Füllstands Regeltechnik dann doch eher abschätzig.
Immerhin fühlte sich meine technische Generation zu Höherem berufen und einfache Schwimmschalter die eigentlich nur „Klick und Klack“ machen, waren mir technisch nicht anspruchsvoll genug. Die Begeisterungsfähigkeit meines Vaters über fast 30 Jahre für diese „einfache“ um nicht zu sagen „primitive“ Technik war mir zur damaligen Zeit nicht erklärlich.
So war es auch nicht weiter verwunderlich, dass ich 1990 ein Angebot meines Vaters bzgl. „Gründung einer eigenen Firma“ großzügig ablehnte und er dadurch den Bereich in die Firma Contra einbrachte, um dort bis zu seiner Pensionierung 1995 seine Tätigkeit eigenständig fortführen zu können.

"My Way"
In der Zwischenzeit versuchte ich, die von meinem Vater vorgelebte erfolgreiche Vertriebsart, bestehend aus persönlichen Engagement mit Handschlagqualität, Ehrlichkeit bei der Kundenbetreuung mit allen Konsequenzen, Herzblut und notwendigen Schmäh und Verständnis für die Probleme der Kunden und vor allem Spaß an der Arbeit, ohne Rücksicht auf moderne Vertriebsparameter wie Kostenreduktion, Statistiken und Umsatzvorgaben, auch in meine moderne Hi-Tech Berufswelt zu übernehmen - kurzum es ging darum den eigene Stil zu finden.

Vom Angestellten zum Unternehmer
Dies war allerdings bereits damals, in den Anfängen der 90er Jahre, bei größeren Vertriebsfirmen zwar im offiziellen Firmendogma festgeschrieben, in der Praxis dann aber nicht wirklich gewünscht bzw. geduldet. Kostenstatistiken der Vertriebsleute, permanent steigende Umsatzvorgaben und der Wunsch nach dem schnellen Geschäft standen im direkten Konflikt zu meiner innersten Überzeugung wie man gute langfristige Geschäftsbeziehungen aufbauen kann.
Ich begriff, dass ich den von meinem Vater, mir vorgelebten Vertriebsstil, mit seinem eigenen Verständnis von Vertrieb und Kundenbetreuung, nur mit seinen Produkten in seiner Branche umsetzen kann.

Die zweite Chance
So nützte ich dann 1995 meine zweite Chance, das Lebenswerk meines Vaters zu übernehmen und startete meine Tätigkeit im Bereich der Mess- und Regeltechnik, übernahm seine Kunden und Lieferanten für den Bereich Füllstand- Druck und Durchflussmesstechnik und begann meine Geschäftsideen umzusetzen.

Begeisterung über Generationen
Es zeigte sich sehr schnell, dass seine langjährige Aufbauarbeit im Bereich der Kundenbetreuung, meinen Einstieg in dieses Metier sehr vereinfachte und mit jedem Tag in diesem Vertriebsbereich, lernte ich die lebenslange Begeisterung meines Vaters für die Füllstands und Durchflussmesstechnik besser zu begreifen.
Immerhin bietet kaum ein anderer technischer Bereich einen derart vielseitigen branchenübergreifenden Einblick für technische Anwendungen. Vom Biotop bis zur Molkerei, vom Krokodilhaus und Eisbärengehege in Schönbrunn bis zur Wellness-Therme, von der Pathologie bis zur Kläranlage, vom Musikinstrumente-Saitenhersteller bis zum Schlachthof, von der U-Bahn Station bis zum Streusalzsilo und vieles mehr.

Und täglich etwas Neues

Gerade die Füllstands- Mess- und Regeltechnik ist deshalb so abwechslungsreich und interessant, weil sie auch stets diffizil genug ist, um scheinbar einfache Applikationen zu einer plötzlich herausfordernden Aufgabe werden zu lassen.
Dieses ständig wachsende Potenzial an Projektpraxis unterscheidet mich und meine Art der Arbeit daher sehr stark vom allgemeinen Trend, der von Kostenreduktion und Gewinnmaximierung geprägt ist und den Vertrieb zum „Laptop-Verkäufer“ mutieren lässt. Beim sogenannten „Laptop-Verkäufer“ – diesen Begriff kreierte einer meiner Kunden - kommt immer der gleiche Laptop, jedoch immer mit einem neuen Verkaufs-Mitarbeiter zum Kundenbesuch!
Meine Verkaufsphilosophie ist dagegen durch jahrelange Erfahrung und Projektpraxis geprägt und soll durch unsere breitbandige Produktpalette von unseren jahrelang erprobten, qualitativ hochwertigen Herstellern so komplettiert werden, dass für alle unsere Kunden vom Biotopbesitzer bis zum speziellen Industriehersteller das preis-/leistungsmäßig bestmögliche Rundumpaket offeriert werden kann.

"...und die gute alte Zeit gibt es doch..."
Interessanterweise investieren viele Firmen immer noch exorbitante Summen in Vertriebsschulungen und Verkaufsseminare um Kunden zu gefallen, und erreichen dennoch nie die natürliche „Handschlagqualität“ der früheren Generationen.
Besser als im Film „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ (mit Tom Cruise, Renèe Zellweger, Cuba Gooding Junior) aus dem Jahre 1996 kann man die heutige Geschäftswelt eigentlich kaum mehr beschreiben. Speziell die Szene "Führ' mich zum Schotter" ist für mich der Inbegriff für Vertrieb und Verkauf in der aktuellen Zeit, obwohl es letztendlich doch nur darauf ankommt, ob man im Innersten eher ein „Bob“ oder ein „Jerry“ ist.

Auf jeden Fall vergeht selbst heute noch kaum eine Außendienstfahrt auf der A1, wo ich nicht an meinen Vater erinnert werde, denn Frank Sinatra's „My Way“ bleibt wohl ewig aktuell.